Die ersten 100 Tage im neuen Job

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Ein Gastbeitrag von Hans-Georg Willmann, der als Coach und Fachautor einen wertvollen Einblick bietet, was in den ersten 100 Tagen im neuen Job wichtig ist.

„So, das ist Ihr Schreibtisch. Dann legen Sie mal los.“ Gleichgültig, ob es sich um den Berufseinstieg nach der Uni oder um den Einstieg bei einem neuen Arbeitgeber handelt, die ersten 100 Tage im Job sind entscheidend. Denn schon zu Beginn kann man den Grundstein für die Karriere und für eine gute Zusammenarbeit legen – oder es sich vermasseln. Wer sich über die folgende Frage Gedanken macht, wird gut vorbereitet an seinen neuen Arbeitsplatz gehen: „Was will ich?“




Was will ich?

Der Arbeitsvertrag ist unterschrieben, der erste Arbeitstag steht vor der Tür. Spätestens jetzt lohnt es sich innezuhalten und einmal zu fragen, aus welchen Gründen man sich eigentlich gerade für diesen Arbeitgeber und für diese Stelle entschieden hat. Die meisten Menschen bewegen sich in einem Spannungsfeld aus verschiedenen Notwendigkeiten.

 

 

Viele entscheiden sich aus ganz pragmatischen Gründen wie Geld, Ort, Zeit und Sicherheit für einen Arbeitgeber. Natürlich spielt auch die Aufgabe selbst eine Rolle. Handelt es sich um eine sinnvolle Tätigkeit, die Spaß macht oder mit der ein gewisser Status verbunden ist? Und auch die Entwicklungsmöglichkeiten sind für manche wichtig. Besteht im neuen Job die Möglichkeit beruflich aufzusteigen?

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Warum das alles wichtig ist? Weil man sich darüber im Klaren sein muss was man von seinem neuen Arbeitgeber erwartet, um einschätzen zu können, was man selbst dafür einbringen muss. Auf jede Aktion folgt eine Reaktion. Das besagt nicht nur das Wechselwirkungsprinzip von Newton, sondern auch das Gesetz von Ursache und Wirkung in der Philosophie. Oder anders gesagt: „Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus.“ Will man viel muss man viel einsetzen. Wer stets mehr will als er bereit oder fähig ist einzusetzen, der macht sich den Einstieg bei einem neuen Arbeitgeber unnötig schwer.

Was ein Arbeitgeber von einem neuen Mitarbeiter erwartet

  1. Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit
  2. Realistische Selbsteinschätzung
  3. Gesundes Selbstvertrauen
  4. Leistungsbereitschaft und Engagement
  5. Flexibilität und Belastbarkeit
  6. Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft

Die eigene Einsatzbereitschaft prüfen

Vor dem Hintergrund dieser Überlegung kann man sich viele Frage selbst beantworten: „Soll ich Überstunden machen?“, „Ist es wirklich notwendig jeden Tag Anzug und Krawatte anzuziehen?“, „Wie viel Verantwortung soll ich für neue Aufgaben übernehmen?“ Es gilt ein eindeutiges „Ja“, wenn man sich zum Ziel gesetzt hat Karriere zu machen, eine Führungsposition anzustreben, viel Geld zu verdienen oder spannende Aufgaben zu bekommen.

Den ersten Eindruck optimal gestalten: In jeder einzelnen Begegnung mit einem (neuen) Kollegen, einem (neuen) Chef oder einem (neuen) Kunden gilt: Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Der erste Eindruck kommt zu 55 Prozent durch die Körpersprache und die Kleidung, zu 38 Prozent durch den Sprachklang und zu 7 Prozent durch den Sprachinhalt zustande. Es lohnt sich also auf sein Äußeres und auf seine Umgangsformen zu achten.

Smalltalk betreiben: Die offiziellen und inoffiziellen Unternehmensspielregeln lernt man am besten beim Smalltalk mit Kollegen kennen. Wer fragt, der erfährt etwas. Deshalb gilt es jede Gelegenheit zu nutzen, um ein Gefühl und ein Wissen darüber aufzubauen, wie „der Hase läuft“.

Achtung vor falschen Freunden: In jedem Unternehmen gibt es die Kollegen, die schon immer genau wussten, wie die Welt funktioniert. Mit einer freizeitorientierten Schonhaltung vor 17.00 Uhr wandern sie durch die Flure und versuchen Neuzugängen ihre Arbeit aufzuladen oder sie mit ihrer Dienst-nach-Vorschrift-Mentalität auf ihre Seite zu ziehen. Davor sei gewarnt. Man sollte genau prüfen, zu welchen Kollegen man wie intensiv Kontakt pflegt.

Grenzen setzen: Kopieren, Kaffee kochen, Besorgungen erledigen – das ist okay, solange man das einmal, zweimal oder um behilflich zu sein macht. Irgendwann muss man sich aber fragen, ob man sich gerade zum nützlichen Idioten macht. Leistungsbereitschaft ist gut. Überengagement nicht. Schon gar nicht, wenn es sich bei den Aufgaben um ungeliebte Tätigkeiten handelt, die man sich von anderen aufladen lässt. Auch „Nein-sagen“ muss man lernen.

Verantwortung übernehmen: Im Meeting Protokoll schreiben, einen Kunden alleine übernehmen, sich eine schwierige Aufgabe zutrauen – das alles sind wichtige Einsatzfelder um zu signalisieren, dass man beruflich weiterkommen will. Hier gilt es: Einsatz zu zeigen.

Zu Fehlern stehen: Fehler gehören zum Geschäft und Fehler sind Lernchancen. Es gilt: Fehler schnell und natürlich nur einmal machen und immer, immer, immer dazu stehen, wenn man einen Fehler gemacht hat.

Der wichtigste Tipp zum Schluss

Der unmittelbare Chef ist die wichtigste Bezugsperson beim neuen Arbeitgeber. Gegenseitige Erwartungen müssen abgeklärt werden. Wie stellt sich der Chef die Zusammenarbeit vor, welche Leistungen will er oder sie am Ende des Tages, der Woche, des Monats und der Probezeit sehen? Durch regelmäßigen Abgleich in Feedback-Gesprächen kann man sicherstellen, dass es am Ende der Probezeit kein böses Erwachen gibt.

Weitere hilfreiche Strategien um die ersten 100 Tage
im neuen Job gut zu meistern beschreibe ich in
meinem Berufseinsteigerbuch.

 

Diplom-Psychologe Hans-Georg Willmann (Jahrgang 1968, Freiburg) ist Coach und Autor aus Leidenschaft. Als Experte für berufliche Veränderungsprozesse und Krisen coacht er seit 1998 Frauen und Männer dabei Ziele zu erreichen.
www.hans-georg-willmann.de

Foto: Alex Jung

 

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Über den Autor

Markus Fugmann arbeitet seit vielen Jahren in der Beratung von Arbeitssuchenden, z.B. in der Jobvermittlung von Flüchtlingen. Dieses Bewerbungswissen gibt er hier gerne weiter. Außerdem hat er die "Freiburger Bewerbungsmappen" entwickelt, in Kooperation mit Personalentscheidern. Die neuartigen Bewerbungsmappen werden → hier vorgestellt.